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Fachkräftemangel, ja und?

By André Jaenisch on 21.01.2023. About 3 minutes reading time. This text is estimated to be difficult to understand.

Ich habe gestern an einem Meetup mit diesem Titel teilgenommen und möchte hier meine Gedanken festhalten.

Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass ich mich in 2022 auf viele Positionen beworben hatte, aber nie ein Unternehmen fand, wo es für beide Seiten gepasst hätte. Dabei sind mir aber auch Dinge aufgefallen, die ich hier besprechen möchte.

Arbeit in Vollzeit

Ich sehe, dass viele Firmen immer noch nach einer 40-Stunden-Vollzeitposition suchen, aber zu wenig Bewerber finden. Wären sie bereit, diese Stundenzahl zu reduzieren, würde sich unter Umständen der Pool ausweiten, weil dann auch nicht-männliche Personen angesprochen werden könnten. Diese übernehmen nach wie vor oftmals Care-Tätigkeiten. Also Pflege von Angehörigen wie Eltern oder Kinder. Damit benötigen sie zeitlich eine größere Flexibilität. Ich glaube auch, dass sich in weniger Zeit genauso viel erledigen ließe wie in 40 Stunden.

Ich komme auch nicht umhin zu bemerken, dass viele Firmen kaum Menschen mit Behinderungen einstellen. Diese sind auch gut qualifiziert, können aber auf dem ersten Arbeitsmarkt keinen Fuß fassen, weil sie technische Anforderungen an den Arbeitsplatz haben. Dabei lese ich etwa aus dem Joel Test, dass Hardware anzuschaffen fast immer günstiger ist, als menschliche Arbeit einzusetzen. Warum also nicht etwas Geld in die Hand nehmen, um Talent anzuziehen?

Während wir bei dem Thema Hardware sind, frage ich mich auch, warum es nicht etwa viel mehr höhenverstellbare Tische gibt. Diese sind meiner Erfahrung nach nicht so viel teurer als Möbiliar mit fester Höhe, erlauben aber einer größeren Vielfalt an Menschen daran zu arbeiten.

Ich selber habe Familie. Damit kann ich nur unter Schwierigkeiten jeden Tag 8 Stunden vor einem Schreibtisch zubringen und gleichzeitig für meine Familie da sein. Mit meiner Selbstständigkeit möchte ich zeigen, dass ich auch gute Ergebnisse liefern kann, ohne meine Zeit absitzen zu müssen. Einfach, weil ich nicht in die Zeit-gegen-Geld-Falle tappen möchte, sondern Wert schaffe.

Stellenausschreibungen

Wenn ich mir Positionen so durchlese, stelle ich fest, dass es noch sehr viele Worthülsen gibt. Dies kostet Zeit, weil nicht das gesagt wird, was gemeint ist. Warum sollten sich Menschen die Mühe machen, zu entziffern, was ein Unternehmen eigentlich sucht, wenn die Konkurrenz da klarer in der Kommunikation ist?

Aber nicht nur Phrasen sind ein Problem. Ich habe auch mitbekommen, dass Recruiter manchmal gar nicht wissen, was mit bestimmten Technologien verknüpft ist. AngularJS wurde beispielsweise von Google vor Jahren beerdigt. Der aktuelle Technologiestack nennt sich Angular (ohne JS). Ich nehme mir die Zeit, dies in einer Antwort herauszustellen und höre dann: Ja genau das meinen wir! Dann macht eure Hausaufgaben. Wobei wir bei dem Thema sind: Java und JavaScript sind zwei verschiedene Dinge. Ihr braucht nicht nach Frontend-Entwicklern suchen, wenn ihr eigentlich jemanden mit Java beschäftigen wollt.

Dies wirkt sich negativ auf das Firmen-Image aus. Schade eigentlich. Es gibt so viele spannende Unternehmen hier in Deutschland. Ich glaube, dies ist auch eine Herausforderung: Dort zu sein, wo sich die Bewerber herumtreiben.

Bewerbungsprozess

Ich finde es verwirrend, warum ich noch einmal Unterlagen wie Lebenslauf oder Zeugnisse hochladen soll, wenn ich sie doch bereits in meinem Profil verlinkt habe. Ja, Datenschutz und so. Dann reicht doch die Einwilligung abzuholen, oder etwa nicht?

Warum muss ich an einem mehrstufigen Bewerbungsprozess teilnehmen, wenn es zu wenig Bewerber für eine Position gibt? Kann dafür nicht die Probezeit genutzt werden? Ist die Eingewöhnung so viel teurer als jetzt Aufträge nicht annehmen zu können, weil das Personal fehlt?


Ich habe so viele Gedanken zu dem Thema. Wenn Sie Interesse daran haben, mehr davon zu hören, melden Sie sich doch bei mir und wir machen einen Termin aus.